In der Szene der „Finanzcoaches“ oder Motivationsbüchern der Marke „finanzielle Freiheit -einfach und sofort“ muss der Coffee to Go meist als Beispiel herhalten. Wer auf diesen verzichtet, der spart sich das Geld und ist quasi schon Millionär. Der geneigte Leser wird aus den ersten Zeilen schon herausgelesen haben, was ich von solchen Büchern und Coaches halte. Auch, wenn das mit dem Coffee to Go-Verzicht natürlich niemanden reich macht, hat die Aussage einen wahren Kern.

 

Klar ist, Vermögen aufbauen kann nur, wer vom Einkommen am Ende des Monats noch etwas übrig hat, um dies zu investieren. Wer sein gesamtes Einkommen verkonsumiert, der kann auch kein Vermögen aufbauen, egal wie viel verdient wird. Es geht aber viel weniger darum, auf den Coffee to Go zu verzichten, als viel mehr darum, bewusst zu konsumieren.

Also gilt es sich bewusst zu machen, wofür man Geld ausgibt. Das muss nicht in Erbsenzählerei ausarten und auch das Führen eines Haushaltsbuches ist nicht jedermanns Sache. Doch sollte man seine Ausgaben dennoch immer wieder hinterfragen und eine Abwägung treffen.

Dafür herrscht hoffentlich zunächst Klarheit darüber, was einem im Leben eigentlich wichtig ist und wie das Vermögen diese Werte und Ziele unterstützt. Klingt selbstverständlich, doch in der Realität sehe ich häufig, dass Menschen über diese Fragen zu selten nachdenken.

Im nächsten Schritt sollte bei Ausgaben dann die innere Frage aufkommen „Brauche ich dies wirklich, oder ist es mir wichtiger meinen Zielen einen Schritt näher zu kommen?“. Diese Frage hat natürlich bei der Wahl eines Autos und dessen Zusatzausstattung eine viel größere Auswirkung, als bei der Frage danach, ob der Coffee to Go nun wirklich sein muss, oder nicht. Die genannte Frage soll vermeiden, dass man Geld aus den falschen Gründen oder einfach gewohnheitsmäßig ausgibt.

Es geht also viel mehr um den bewussten Konsum, als um den generellen Konsumverzicht. Wem also der Coffee to Go wichtig ist, aus welchem Grund auch immer, der soll diesen doch gerne weiter genießen.

Ich zum Beispiel trinke gerne Espresso und habe Zuhause eine entsprechende Ausstattung, um mir diesen zubereiten zu können. Dennoch genieße ich aber auch liebend gern bei der Espressobar meines Vertrauens einen Espresso. Zwar zahle ich dort mehr für den Espresso, aber mit Freunden in der Sonne stehen und das Ambiente des Cafés zu genießen ist  mir wesentlich mehr Wert, als mich der Espresso kostet. Bewusst dafür entschieden und niemals bereut. Ein netter Nebeneffekt: Wer sich bewusst macht, dass einem der Coffee to Go das Geld wert ist, der genießt diesen auch mehr.

Kernaussage: Wer bewusst konsumiert, der hat mehr Spaß an seinem Konsum und verzichtet auf unnötige Ausgaben. Wem der Coffee to Go wichtig ist, der soll diesen gerne weiter genießen. Reich wird man durch diesen Verzicht allein wahrscheinlich nicht. 

Sebastian Paß

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