Aktuell sind die Aktienkurse eher auf Talfahrt, bedingt durch Zinsängste, Inflation, Kriegsunsicherheit und drohender Rezession vieler Volkswirtschaften. Dann ist häufig die Rede davon, dass „Anleger flüchten“ oder der „Große Abverkauf“ stattfindet. Diese Aussage ist jedoch grundlegend falsch und führt zu falschem Verhalten.

 

An den Börsen werden permanent neue Preise für Wertpapiere festgesetzt, die sich aus Angebot und Nachfrage ergeben. Sinken Aktienkurse, dann liegt es daran, dass Käufer nur noch bereit sind weniger für ein Wertpapier zu zahlen, als zuvor. Verkäufer geben sich mit geringeren Verkaufspreisen zufrieden, als es zu einem früheren Zeitpunkt der Fall war. Ein neuer Kurs entsteht jedoch nur, wenn Käufer und Verkäufer sich auf einen Preis einigen können. Dies geschieht am Kapitalmarkt generell sehr schnell und häufig.

Und nun kommt der entscheidende Punkt zum Tragen. Sinken nun also die Kurse, dann gibt es zwar Verkäufer, die „aus den Aktien fliehen“ aber genau so viele Käufer, die zu dem niedrigen Kurs kaufen. Ansonsten gäbe es keinen feststellbaren Kurs. Also können wir festhalten, dass bei jeder Verkaufstransaktionen einem Verkäufer auch ein Käufer gegenüber steht. Es „fliehen“ also genau so viele Anleger, wie Anleger in den Markt „reingehen“. Aussagen wie „Großer Abverkauf“ oder „Anleger fliehen aus dem Markt“ sind damit falsch und zeugen von fehlendem Verständnis.

Was tatsächlich passiert ist, dass sich aufgrund neuer Informationen und zunehmender Unsicherheit das Bewertungsniveau der Wertpapiere ändert. Neue Risiken müssen eingepreist werden. 

Wer dies nun verstanden hat, der wird hoffentlich von den reißerischen Schlagzeilen nicht mehr so leicht aus der Ruhe gebracht. Tendenziell gilt es nämlich zu denen zu gehören, die günstige Kurse nutzen, um zu kaufen und langfristig zu handeln. Dabei geht es nicht darum, den tiefsten Kurs zu erwischen, denn Markettiming ist nachweislich kaum möglich. Es reicht schon aus kontinuierlich in marktschwachen Phasen nachzukaufen und langfristig von den günstigeren Kursen zu profitieren. Aber Vorsicht: Manch eine Aktie erlebt durch schwache Marktphasen eine Korrektur, die nicht durch den Markt, sondern durch die Qualität des Unternehmens begründet wird, und erholt sich davon nie. Besser ist es, breit gestreut zu investieren. 

 

Kernaussage: Anleger flüchten nicht aus Aktien, sondern es ändert sich as Bewertungslevel der Aktien. Doch jedem Käufer steht auch ein Verkäufer gegenüber. Man sollte sich von der Panikmache der Medien nicht aus der Ruhe bringen lassen und eher zu denen gehören die Kaufen, wenn die Masse in Panik verfällt.

Sebastian Paß

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