2021 war ein Jahr der Ungewissheit und der Vorfreude, der Hoffnung auf eine Rückkehr zu so etwas ähnlichem wie Normalität. Das abgelaufene Jahr hat zudem einmal mehr gezeigt, dass sich Anlageentscheidungen kaum auf Grundlage von Marktprognosen treffen lassen, und wie wichtig Diversifikation und Flexibilität sind.

 

Auf einen Blick

  • Die Aktienmärkte setzten ihren Aufschwung auch im Jahr 2021 fort, der S&P 500 Index konnte seinen bisherigen Rekordstand gleich mehrfach brechen und beendete das Jahr nur knapp unter seinem Allzeithoch.
  • Wie schon 2020 beherrschte die Pandemie die Schlagzeilen, mittlerweile sorgen jedoch auch die steigende Inflation und ihre möglichen Folgewirkungen für Aufregung.
  • Auch Volatilität prägte das Bild in zahlreichen Märkten, von Kryptowährungen bis hin zu sogenannten Meme-Aktien, und verdeutliche die Bedeutung von langfristiger Planung und Flexibilität in einem unbeständigem Marktumfeld.

 

Nach dem volatilen Vorjahr suchten Anleger nach Anhaltspunkten für den Kurs der Weltwirtschaft, Mit dem Start der Impfkampagnen und der Aufhebung der Lockdowns erholte sich die Wirtshaft zunächst, doch der Aufschwung geriet bald durch neue Virusvarianten ins Stocken. Trotz dieser Probleme wuchs die weltweite Wirtschaftsleistung, ging von der Erholungs- in eine Wachstumsphase über und konnte schließlich ihr Vorkrisenniveau ein- und überholen.

Begleitet wurde der Aufschwung allerdings von Fachkräftemangel, unterbrochenen Lieferketten und steigender Inflation. Besonders schnell stiegen unter anderem die Preise von Lebensmitteln und Energie. Beispielsweise lag der US-Verbraucherpreis-Index nach dem größten Anstieg seit fast 40 Jahren im November 2021 um 6,81 Prozent über dem Niveau des Vorjahrs. In der Konsequenz wurde in den Medien viel über die Inflation gesprochen – woher sie kommt, wohin sie geht, wie lange sie bleibt, und was man gegen sie tun sollte.

An den Aktienmärkten sind die Kurse relativ kontinuierlich gestiegen: Die Aktien großer US-Unternehmen beendeten das Jahr nur knapp unter ihrem absoluten Höchststand, der S&P 500 Index[i] warf eine Rendite von 28,71 Prozent ab. Positive Einflüsse hatten neben effektiven Impfstoffen auch andere Faktoren, darunter robuste Unternehmensgewinne und höhere Verbrauchernachfrage. Die Konsumausgaben stiegen im Laufe des Jahres und erholten sich von der Pandemie. In der Folge konnten US-Unternehmen das dritte Quartal mit Rekordgewinnen beenden[ii]. Auch in anderen Märkten stiegen die Kurse, trotz einiger Rückschlage. Nach einem robusten Start ins neue Jahr stieg in der zweiten Jahreshälfte die Volatilität, dennoch bewegten sich die Aktienkurse nahe an Ihren Rekordwerten. Gemessen am MSCI All Country World Index[iii], legten die weltweiten Aktien um 18,54 Prozent zu; internationale Aktien aus den entwickelten Märkten stiegen um 12,62 Prozent. Nur Aktien aus den Schwellenländern fielen leicht um 2,54 Prozent.

Substanzaktien (Value) profitierten von der Erholung der Wirtschaft und legten zu Jahresbeginn deutlich zu. Im Verlauf des Jahres konnten Wachstumswerte (Growth) jedoch aufholen, nachdem die Delta-Variante die Infektionszahlen wieder steigen ließ und die Sorgen zurückkehrten, die die Märkte schon in der ersten Hälfte des Jahres 2020 beherrscht hatten. Seit 1926 haben Value-Aktien im Allgemeinen besser abgeschnitten als Growth-Aktien, doch diese Value-Prämie, wie auch andere Prämien, können bisweilen über lange Zeiträume ausbleiben. Dennoch belegen Daten aus knapp hundert Jahren, dass Substanzwerte bessere Renditen abwerfen und oft treten diese Value-Prämien geballt auf, so wie auch Ende 2020 und Anfang 2021.

An den Anleihenmärkten fielen die Renditen schwächer aus als am Aktienmarkt. Der Bloomberg Global Aggregate Bond Index beendete das Jahr mit einem Minus von 1,39 Prozent. 2020 waren die Bonitätsrisikoaufschläge gestiegen aber Ende 2021 lagen sie unter dem Niveau vor Ausbruch der Pandemie. Mit Unternehmensanleihen konnten Anleger 2021 meist höhere Renditen erzielen als mit Staatsanleihen. Die Streuung zwischen den beiden Anleiheklassen war deutlich geringer als im Vorjahr, globale Unternehmensanleihen konnten Staats- und staatsnahe Anleihen um 0,82 Prozent übertreffen[iv]. Da die tatsächliche Inflation jedoch deutlich über den Erwartungen lag, fielen auch die Renditedifferenzen zwischen inflationsgeschützten und nominalen Anleihen entsprechend hoch aus. Die fünfjährige Breakeven-Inflationsrate stieg von 1,95 Prozent auf bis zu 3,176 Prozent und beendete das Jahr bei 2,87 Prozent[v]. Nominale US-Treasuries warfen eine Rendite von -2,32 Prozent ab, US-Treasury Inflation Protected Securities (TIPS) dagegen 5,96 Prozent[vi].

Die globale Zinsstrukturkurven beendeten das Jahr im Allgemeinen höher und steiler, als sie es begonnen hatten. US-Treasury-Zinsen zu Beispiel stiegen insbesondere bei mittleren Laufzeiten. Anleihen mit längeren Laufzeiten entwickelten sich gegenüber Kurzläufern im Allgemeinen unterdurchschnittlich; US-Treasuries mit mittlerer Laufzeit beendeten das Jahr mit einem Minus von 1,72 Prozent, kurzfristige Laufzeiten dagegen mit einem Plus von 0,04%[vii].

Im Fokus: Inflation und Schulden

Steigende Inflation kann Verlustängste auslösen, Anleger sollten jedoch nicht vergessen, dass US-Aktien seit 1991 meist positive Realrenditen abgeworfen haben – ein wichtiges Signal für jeden, der seine Finanzziele durch den Anstieg von Preisen in Gefahr sieht. Ein Blick auf die Daten der letzten 30 Jahre zeigt keinen klaren Zusammenhang zwischen hoher beziehungsweise niedriger Inflation und den Renditen großer US-Aktien: Einige der niedrigsten Renditen fielen in Jahre mit schwacher Inflation und in 23 der letzten 30 Jahre konnten Anleger mit US-Aktien positive Realrenditen erzielen.

Genau wie bei Aktien gibt es auch bei Anleihen keinen Grund zu der Annahme, dass Inflation automatisch schwere Schäden anrichtet: Zwischen 1927 und 2020 lag die US-Inflationsrate im Median bei 2,68 Prozent. In den 47 Jahren, in denen die Inflation diesen Wert übertraf, lag sie bei durchschnittlich 5,49 Prozent. Viele US-Anleihen warfen in diesen 47 Jahren – also auch in den Vierziger- und Siebzigerjahren mit ihren zum Teil zweistelligen Inflationsraten – positive Realrenditen ab. In jedem Fall sollten Anleger nicht aus Angst vor hoher Inflation vor Anleihen zurückschrecken.

Auch steigende Staatsschulden und mögliche Auswirkungen auf die Aktienmärkte bereiten manchen Anlegern Sorge. Aktuell werden US-Staatsanleihen im Wert von mehr als 22 Billionen US-Dollar an den öffentlichen Märkten gehandelt[viii], was einem Anstieg von über 5 Billionen US-Dollar seit Ende 2019 und 123 Prozent der US-Wirtschaftsleistung entspricht. Noch extremer ist die Lage in China, das vor allem aufgrund massiver öffentlicher Infrastruktur- und Immobilieninvestitionen mit 263 Prozent seiner Wirtschaftsleistung per Jahresultimo 2021 verschuldet war. Beispielhaft für die Lage des Landes steht die angeschlagene Evergrande Group, die im Dezember ihre Schulden nicht mehr bedienen konnte. Die Beziehung zwischen Staatsschulden und Aktienrenditen ist jedoch komplex, was zum Teil daran liegt, dass die Zahlungsfähigkeit eines Landes bei weitem nicht nur von seiner Schuldenquote abhängt. Die Schuldenquote verändert sich zudem meist langsam, entsprechende Erwartungen sollten daher in die Marktpreise einfließen. Jedoch lassen Daten keinen auffallenden Zusammenhang zwischen Staatsschulden und Aktienrenditen

 

In einem dynamischen Marktumfeld zählt Flexibilität

Der Anstieg der Inflation und das Auf und Ab der Infektionszahlen waren nicht die einzigen Schwankungen, die im Jahr 2021 für Aufmerksamkeit sorgten. Viele Anleger beobachteten, wie die Kurse von Bitcoin und anderen Kryptowährungen weiter stiegen, und stellten sich die Frage, ob elektronisches Geld nicht auch ihr Portfolio ergänzen sollte. Doch in den wenigen Jahren seiner Existenz hat sich der Bitcoin als außerordentlich volatil erwiesen. In manchen Monaten ist der Bitcoin-Kurs um mehr als 40 Prozent gestiegen oder gefallen und für Trader ist ein Markt mit derartigen Kursausschlägen bestimmt eine interessante Spielwiese. Gleichzeitig eignen sich Kryptowährungen dadurch jedoch kaum als verlässliches Tauschmittel (Bargeldersatz), als Portfoliobaustein der Risiken reduziert oder als Inflationsschutz, noch als Ersatz für andere Analgebausteine in einem diversifizierten Portfolio. Digitale Währungen mögen attraktiv sein für Anleger, die einen Nervenkitzel suchen. Für eine größere Position in einem Portfolio finden sich aktuell jedoch kaum Argumente.

Eine weitere Kuriosität ereignete sich gleich zu Jahresbeginn, als Privatanleger und andere Marktteilnehmer den Aktienkurs des Videospielehändlers GameStop in die Höhe trieben. Die GameStop-Aktie und andere sogenannte Meme-Aktien profitierten von dem Enthusiasmus dieser Anleger, doch als der Kurs von GameStop zusammen mit seiner Marktkapitalisierung stieg, war die ursprüngliche Small-Cap-Value-Aktie schon bald weder small noch value.

Der GameStop-Fall zeigt, wie wichtig ein systematischer Anlageprozess ist, der täglich an neue Informationen zu Wertpapieren und ihren erwarteten Renditen angepasst wird. Eine Indexstrategie ist vergleichsweise unflexibel und kann nicht in der gleichen Weise auf Preisveränderungen reagieren, denn ein Index wird konstruktionsbedingt immer nur an Rekonstitutionsterminen angepasst, was zu Stilabweichungen führen kann. In einigen der Small-Cap-Indizes wurde GameStop schnell zur größten Indexkomponente und blieb in der Regel auch Bestandteil dieser Indizes, als der Kurs wieder fiel. Derartige Stilabweichungen lassen sich durch tägliche Anpassungen im Portfoliomanagement vermeiden, denn ein täglicher Rebalancing-Prozess kann die angestrebte Asset-Allokation erhalten, sodass Anleger einfacher höhere Renditen abschöpfen können.

Wer nur in wenige „heiße“ Aktien oder Kryptowährungen investiert, setzt sich – wie mit jedem konzentrierten Portfolio – erheblichen Risiken aus. Vielleicht zieht ein solcher Anleger sogar ein paar Mal das große Los. Analysen belegen jedoch, dass dieses Glück selten ein Anlegerleben lang anhält. Für jeden Anleger, der irgendwann zum richtigen Zeitpunkt eine Aktie oder eine Kryptowährung ge- oder verkauft hat, ist ein anderer zum falschen Zeitpunkt ein- oder ausgestiegen.

 

Ein Rekord, dann noch Einer …

In Ähnlicher Weise interpretieren einige Anleger neue Kursrekorde als Signal für überbewertete Aktien oder eine Plateaubildung. Aktuell können solche Bedenken besonders schwer wiegen, denn der S&P 500 Index hat im Jahr 2021 nicht weniger als 75 Schlussrekorde, gemessen an der Gesamtrendite, aufgestellt. Betrachtet man jedoch die durchschnittliche Wertentwicklung über eins, drei und fünf Jahre nach einem neuen Kursrekord per Monatsende, kommt man zu einem überraschenden Ergebnis: Sie unterscheidet sich nicht wesentlich von der Wertentwicklung in jedem anderen Ein-, Drei- oder Fünfjahres-Zeitraum. Ein Blick auf die monatlichen Schlusskurse des S&P 500 Index zwischen 1926 und 2021 zeigt zum Beispiel in 30 Prozent der Fälle, also in fast jedem dritten Monat, neue Kursrekorde. Die durchschnittlichen annualisierten Gesamtrenditen des Index in den folgenden Jahren reichen von über 14 Prozent im darauffolgenden Jahr bis über 10 Prozent in den darauffolgenden fünf Jahren. Damit unterscheiden sie sich nicht wesentlich von den durchschnittlichen Renditen über einen beliebigen anderen Zeitraum gleicher Länge. Anders ausgedrückt: Kursrekorde bedeuten nicht, dass ein Bärenmarkt bevorsteht. Aktien werden immer so bepreist, dass eine positive Rendite, und damit auch regelmäßige Kursrekorde, zu erwarten sind.

Diese Beobachtung verdeutlicht erneut die Macht der Märkte. Anleger können weder das Ende einer andauernden Krise noch Art oder Zeitpunkt der nächsten Krise vorhersagen, die Märkte jedoch blicken immer optimistisch nach vorn. Die Zukunft wird uns vor neue Herausforderungen stellen, doch anstatt zu raten, was wohl passieren wird, können Anleger auf die Märkte und ihre langfristigen Perspektiven vertrauen. Das Jahr 2021 hat und die Bedeutung von Disziplin und Diversifizierung, von Planung und Ausdauer in einem, wie jedes Jahr, unsicherem Marktumfeld vor Augen geführt. Zu Beginn des neuen Jahres kann ein Blick zurück helfen, sich auf die Zukunft vorzubereiten.

 

Fazit

Zu Beginn des neuen Jahres sind noch immer viele Fragen offen – zur Pandemie, zu den neuen Impfstoffen, zur Konjunktur, zu unserem neuen Arbeits- und Sozialverhalten und zu der Richtung, die die Märkte einschlagen werden. Doch wie schon im Jahr 2020 hat auch das Jahr 2021 gezeigt, dass die Märkte weiterhin funktionieren und Menschen sich an schwierige Umstände anpassen. Die positiven Aktienrenditen erinnern daran, dass Anleger mit soliden Anlageprinzipien erfolgreich sind. Die Grundsätze für erfolgreiches Investieren gelten auch weiterhin:

  • Diversifikation über Anlageklassen und Regionen, um Risiken zu minimieren und die erwartete Rendite zu maximieren.
  • Disziplin halten und eine langfristige Sicht auf die Marktentwicklung einnehmen, um kurzfristiges reagieren – egal ob aus Furcht oder aus Gier – zu vermeiden.
  • Vermeiden, die Zukunft vorherzusagen, sondern dem eigenen Investmentplan – der auf soliden wissenschaftlichen Erkenntnissen fußt – treu bleiben.

Nikolaus Reeder

 

[i] Basierend auf der nicht saisonal bereinigten zwölfmonatigen prozentualen Veränderung des Verbraucherpreisindex für alle Verbraucher in Städten (CPI-U). Quelle: US Bureau of Labor Statistics.
[ii] Per 30. September 2021; Quelle US-Finanzministerium.
[iii] Quelle: S&P Daten © 2022 S&P Dow Jones Indizes LLC, eine Unternehmenssparte von S&P Global. Alle Rechte vorbehalten.
[i] S&P Daten © 2022 S&P Dow Jones Indizes LLC, eine Unternehmenssparte von S&P Global. Alle Rechte vorbehalten. Indizes stehen für nicht für Direktinvestitionen zur Verfügung.
[ii] Die Daten basieren auf den Unternehmensgewinnen nach Steuern aus der laufenden Produktion und sind Schätzungen des US Bureau of Economic Analysis entnommen.
[iii] MSCI Daten © MSCI 2022, alle Rechte vorbehalten. Indizes stehen für nicht für Direktinvestitionen zur Verfügung.
[iv] Globale Unternehmensanleihen werden dargestellt durch den Bloomberg Global Aggregate Corporate Index. Globale Staatsanleihen werden durch den Bloomberg Global Aggregate Treasuries Index dargestellt. Staatsnahe Anleihen werden durch die entsprechenden Bloomberg-Indizes für staatsnahe Anleihen dargestellt. Daten, die von Bloomberg Indizes zur Verfügung gestellt wurden, stehen für Direktinvestitionen nicht zur Verfügung.
[v] 5-Jahres-Breakeven-Inflationsraten der Federal Reserve Bank of St. Louis; Stand: 31. Dezember 2021.
[vi] US-Treasuries werden durch den Bloomberg US Treasury Bond Index dargestellt. US-TIPS werden durch den Bloomberg US Treasury Inflation-Linked Bond Index dargestellt. Daten, die von Bloomberg Indizes zur Verfügung gestellt wurden, stehen für Direktinvestitionen nicht zur Verfügung.
[vii] Mittelfristige US-Treasuries werden dargestellt durch den Bloomberg US Intermediate Treasury Index, kurzfristige US-Treasuries werden durch den Bloomberg US Short Treasury Index dargestellt. Daten, die von Bloomberg Indizes zur Verfügung gestellt wurden, stehen für Direktinvestitionen nicht zur Verfügung.
[viii] Realrenditen verdeutlichen die Auswirkungen von Inflation auf die Rendite einer Anlage und werden wie folgt berechnet: ((1 + nominale Indexrendite während des Beobachtungszeitraums) / (1 + Inflationsrate)) – 1. S&P Daten © 2022 S&P Dow Jones Indizes LLC, eine Unternehmenssparte von S&P Global. Alle Rechte vorbehalten.

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Auf einen Blick

  • Die Aktienmärkte setzten ihren Aufschwung auch im Jahr 2021 fort, der S&P 500 Index konnte seinen bisherigen Rekordstand gleich mehrfach brechen und beendete das Jahr nur knapp unter seinem Allzeithoch.
  • Wie schon 2020 beherrschte die Pandemie die Schlagzeilen, mittlerweile sorgen jedoch auch die steigende Inflation und ihre möglichen Folgewirkungen für Aufregung.
  • Auch Volatilität prägte das Bild in zahlreichen Märkten, von Kryptowährungen bis hin zu sogenannten Meme-Aktien, und verdeutliche die Bedeutung von langfristiger Planung und Flexibilität in einem unbeständigem Marktumfeld.

 

Nach dem volatilen Vorjahr suchten Anleger nach Anhaltspunkten für den Kurs der Weltwirtschaft, Mit dem Start der Impfkampagnen und der Aufhebung der Lockdowns erholte sich die Wirtshaft zunächst, doch der Aufschwung geriet bald durch neue Virusvarianten ins Stocken. Trotz dieser Probleme wuchs die weltweite Wirtschaftsleistung, ging von der Erholungs- in eine Wachstumsphase über und konnte schließlich ihr Vorkrisenniveau ein- und überholen.

Begleitet wurde der Aufschwung allerdings von Fachkräftemangel, unterbrochenen Lieferketten und steigender Inflation. Besonders schnell stiegen unter anderem die Preise von Lebensmitteln und Energie. Beispielsweise lag der US-Verbraucherpreis-Index nach dem größten Anstieg seit fast 40 Jahren im November 2021 um 6,81 Prozent über dem Niveau des Vorjahrs. In der Konsequenz wurde in den Medien viel über die Inflation gesprochen – woher sie kommt, wohin sie geht, wie lange sie bleibt, und was man gegen sie tun sollte.

An den Aktienmärkten sind die Kurse relativ kontinuierlich gestiegen: Die Aktien großer US-Unternehmen beendeten das Jahr nur knapp unter ihrem absoluten Höchststand, der S&P 500 Index[i] warf eine Rendite von 28,71 Prozent ab. Positive Einflüsse hatten neben effektiven Impfstoffen auch andere Faktoren, darunter robuste Unternehmensgewinne und höhere Verbrauchernachfrage. Die Konsumausgaben stiegen im Laufe des Jahres und erholten sich von der Pandemie. In der Folge konnten US-Unternehmen das dritte Quartal mit Rekordgewinnen beenden[ii]. Auch in anderen Märkten stiegen die Kurse, trotz einiger Rückschlage. Nach einem robusten Start ins neue Jahr stieg in der zweiten Jahreshälfte die Volatilität, dennoch bewegten sich die Aktienkurse nahe an Ihren Rekordwerten. Gemessen am MSCI All Country World Index[iii], legten die weltweiten Aktien um 18,54 Prozent zu; internationale Aktien aus den entwickelten Märkten stiegen um 12,62 Prozent. Nur Aktien aus den Schwellenländern fielen leicht um 2,54 Prozent.

Substanzaktien (Value) profitierten von der Erholung der Wirtschaft und legten zu Jahresbeginn deutlich zu. Im Verlauf des Jahres konnten Wachstumswerte (Growth) jedoch aufholen, nachdem die Delta-Variante die Infektionszahlen wieder steigen ließ und die Sorgen zurückkehrten, die die Märkte schon in der ersten Hälfte des Jahres 2020 beherrscht hatten. Seit 1926 haben Value-Aktien im Allgemeinen besser abgeschnitten als Growth-Aktien, doch diese Value-Prämie, wie auch andere Prämien, können bisweilen über lange Zeiträume ausbleiben. Dennoch belegen Daten aus knapp hundert Jahren, dass Substanzwerte bessere Renditen abwerfen und oft treten diese Value-Prämien geballt auf, so wie auch Ende 2020 und Anfang 2021.

An den Anleihenmärkten fielen die Renditen schwächer aus als am Aktienmarkt. Der Bloomberg Global Aggregate Bond Index beendete das Jahr mit einem Minus von 1,39 Prozent. 2020 waren die Bonitätsrisikoaufschläge gestiegen aber Ende 2021 lagen sie unter dem Niveau vor Ausbruch der Pandemie. Mit Unternehmensanleihen konnten Anleger 2021 meist höhere Renditen erzielen als mit Staatsanleihen. Die Streuung zwischen den beiden Anleiheklassen war deutlich geringer als im Vorjahr, globale Unternehmensanleihen konnten Staats- und staatsnahe Anleihen um 0,82 Prozent übertreffen[iv]. Da die tatsächliche Inflation jedoch deutlich über den Erwartungen lag, fielen auch die Renditedifferenzen zwischen inflationsgeschützten und nominalen Anleihen entsprechend hoch aus. Die fünfjährige Breakeven-Inflationsrate stieg von 1,95 Prozent auf bis zu 3,176 Prozent und beendete das Jahr bei 2,87 Prozent[v]. Nominale US-Treasuries warfen eine Rendite von -2,32 Prozent ab, US-Treasury Inflation Protected Securities (TIPS) dagegen 5,96 Prozent[vi].

Die globale Zinsstrukturkurven beendeten das Jahr im Allgemeinen höher und steiler, als sie es begonnen hatten. US-Treasury-Zinsen zu Beispiel stiegen insbesondere bei mittleren Laufzeiten. Anleihen mit längeren Laufzeiten entwickelten sich gegenüber Kurzläufern im Allgemeinen unterdurchschnittlich; US-Treasuries mit mittlerer Laufzeit beendeten das Jahr mit einem Minus von 1,72 Prozent, kurzfristige Laufzeiten dagegen mit einem Plus von 0,04%[vii].

Im Fokus: Inflation und Schulden

Steigende Inflation kann Verlustängste auslösen, Anleger sollten jedoch nicht vergessen, dass US-Aktien seit 1991 meist positive Realrenditen abgeworfen haben – ein wichtiges Signal für jeden, der seine Finanzziele durch den Anstieg von Preisen in Gefahr sieht. Ein Blick auf die Daten der letzten 30 Jahre zeigt keinen klaren Zusammenhang zwischen hoher beziehungsweise niedriger Inflation und den Renditen großer US-Aktien: Einige der niedrigsten Renditen fielen in Jahre mit schwacher Inflation und in 23 der letzten 30 Jahre konnten Anleger mit US-Aktien positive Realrenditen erzielen.

Genau wie bei Aktien gibt es auch bei Anleihen keinen Grund zu der Annahme, dass Inflation automatisch schwere Schäden anrichtet: Zwischen 1927 und 2020 lag die US-Inflationsrate im Median bei 2,68 Prozent. In den 47 Jahren, in denen die Inflation diesen Wert übertraf, lag sie bei durchschnittlich 5,49 Prozent. Viele US-Anleihen warfen in diesen 47 Jahren – also auch in den Vierziger- und Siebzigerjahren mit ihren zum Teil zweistelligen Inflationsraten – positive Realrenditen ab. In jedem Fall sollten Anleger nicht aus Angst vor hoher Inflation vor Anleihen zurückschrecken.

Auch steigende Staatsschulden und mögliche Auswirkungen auf die Aktienmärkte bereiten manchen Anlegern Sorge. Aktuell werden US-Staatsanleihen im Wert von mehr als 22 Billionen US-Dollar an den öffentlichen Märkten gehandelt[viii], was einem Anstieg von über 5 Billionen US-Dollar seit Ende 2019 und 123 Prozent der US-Wirtschaftsleistung entspricht. Noch extremer ist die Lage in China, das vor allem aufgrund massiver öffentlicher Infrastruktur- und Immobilieninvestitionen mit 263 Prozent seiner Wirtschaftsleistung per Jahresultimo 2021 verschuldet war. Beispielhaft für die Lage des Landes steht die angeschlagene Evergrande Group, die im Dezember ihre Schulden nicht mehr bedienen konnte. Die Beziehung zwischen Staatsschulden und Aktienrenditen ist jedoch komplex, was zum Teil daran liegt, dass die Zahlungsfähigkeit eines Landes bei weitem nicht nur von seiner Schuldenquote abhängt. Die Schuldenquote verändert sich zudem meist langsam, entsprechende Erwartungen sollten daher in die Marktpreise einfließen. Jedoch lassen Daten keinen auffallenden Zusammenhang zwischen Staatsschulden und Aktienrenditen

 

In einem dynamischen Marktumfeld zählt Flexibilität

Der Anstieg der Inflation und das Auf und Ab der Infektionszahlen waren nicht die einzigen Schwankungen, die im Jahr 2021 für Aufmerksamkeit sorgten. Viele Anleger beobachteten, wie die Kurse von Bitcoin und anderen Kryptowährungen weiter stiegen, und stellten sich die Frage, ob elektronisches Geld nicht auch ihr Portfolio ergänzen sollte. Doch in den wenigen Jahren seiner Existenz hat sich der Bitcoin als außerordentlich volatil erwiesen. In manchen Monaten ist der Bitcoin-Kurs um mehr als 40 Prozent gestiegen oder gefallen und für Trader ist ein Markt mit derartigen Kursausschlägen bestimmt eine interessante Spielwiese. Gleichzeitig eignen sich Kryptowährungen dadurch jedoch kaum als verlässliches Tauschmittel (Bargeldersatz), als Portfoliobaustein der Risiken reduziert oder als Inflationsschutz, noch als Ersatz für andere Analgebausteine in einem diversifizierten Portfolio. Digitale Währungen mögen attraktiv sein für Anleger, die einen Nervenkitzel suchen. Für eine größere Position in einem Portfolio finden sich aktuell jedoch kaum Argumente.

Eine weitere Kuriosität ereignete sich gleich zu Jahresbeginn, als Privatanleger und andere Marktteilnehmer den Aktienkurs des Videospielehändlers GameStop in die Höhe trieben. Die GameStop-Aktie und andere sogenannte Meme-Aktien profitierten von dem Enthusiasmus dieser Anleger, doch als der Kurs von GameStop zusammen mit seiner Marktkapitalisierung stieg, war die ursprüngliche Small-Cap-Value-Aktie schon bald weder small noch value.

Der GameStop-Fall zeigt, wie wichtig ein systematischer Anlageprozess ist, der täglich an neue Informationen zu Wertpapieren und ihren erwarteten Renditen angepasst wird. Eine Indexstrategie ist vergleichsweise unflexibel und kann nicht in der gleichen Weise auf Preisveränderungen reagieren, denn ein Index wird konstruktionsbedingt immer nur an Rekonstitutionsterminen angepasst, was zu Stilabweichungen führen kann. In einigen der Small-Cap-Indizes wurde GameStop schnell zur größten Indexkomponente und blieb in der Regel auch Bestandteil dieser Indizes, als der Kurs wieder fiel. Derartige Stilabweichungen lassen sich durch tägliche Anpassungen im Portfoliomanagement vermeiden, denn ein täglicher Rebalancing-Prozess kann die angestrebte Asset-Allokation erhalten, sodass Anleger einfacher höhere Renditen abschöpfen können.

Wer nur in wenige „heiße“ Aktien oder Kryptowährungen investiert, setzt sich – wie mit jedem konzentrierten Portfolio – erheblichen Risiken aus. Vielleicht zieht ein solcher Anleger sogar ein paar Mal das große Los. Analysen belegen jedoch, dass dieses Glück selten ein Anlegerleben lang anhält. Für jeden Anleger, der irgendwann zum richtigen Zeitpunkt eine Aktie oder eine Kryptowährung ge- oder verkauft hat, ist ein anderer zum falschen Zeitpunkt ein- oder ausgestiegen.

 

Ein Rekord, dann noch Einer …

In Ähnlicher Weise interpretieren einige Anleger neue Kursrekorde als Signal für überbewertete Aktien oder eine Plateaubildung. Aktuell können solche Bedenken besonders schwer wiegen, denn der S&P 500 Index hat im Jahr 2021 nicht weniger als 75 Schlussrekorde, gemessen an der Gesamtrendite, aufgestellt. Betrachtet man jedoch die durchschnittliche Wertentwicklung über eins, drei und fünf Jahre nach einem neuen Kursrekord per Monatsende, kommt man zu einem überraschenden Ergebnis: Sie unterscheidet sich nicht wesentlich von der Wertentwicklung in jedem anderen Ein-, Drei- oder Fünfjahres-Zeitraum. Ein Blick auf die monatlichen Schlusskurse des S&P 500 Index zwischen 1926 und 2021 zeigt zum Beispiel in 30 Prozent der Fälle, also in fast jedem dritten Monat, neue Kursrekorde. Die durchschnittlichen annualisierten Gesamtrenditen des Index in den folgenden Jahren reichen von über 14 Prozent im darauffolgenden Jahr bis über 10 Prozent in den darauffolgenden fünf Jahren. Damit unterscheiden sie sich nicht wesentlich von den durchschnittlichen Renditen über einen beliebigen anderen Zeitraum gleicher Länge. Anders ausgedrückt: Kursrekorde bedeuten nicht, dass ein Bärenmarkt bevorsteht. Aktien werden immer so bepreist, dass eine positive Rendite, und damit auch regelmäßige Kursrekorde, zu erwarten sind.

Diese Beobachtung verdeutlicht erneut die Macht der Märkte. Anleger können weder das Ende einer andauernden Krise noch Art oder Zeitpunkt der nächsten Krise vorhersagen, die Märkte jedoch blicken immer optimistisch nach vorn. Die Zukunft wird uns vor neue Herausforderungen stellen, doch anstatt zu raten, was wohl passieren wird, können Anleger auf die Märkte und ihre langfristigen Perspektiven vertrauen. Das Jahr 2021 hat und die Bedeutung von Disziplin und Diversifizierung, von Planung und Ausdauer in einem, wie jedes Jahr, unsicherem Marktumfeld vor Augen geführt. Zu Beginn des neuen Jahres kann ein Blick zurück helfen, sich auf die Zukunft vorzubereiten.

 

Fazit

Zu Beginn des neuen Jahres sind noch immer viele Fragen offen – zur Pandemie, zu den neuen Impfstoffen, zur Konjunktur, zu unserem neuen Arbeits- und Sozialverhalten und zu der Richtung, die die Märkte einschlagen werden. Doch wie schon im Jahr 2020 hat auch das Jahr 2021 gezeigt, dass die Märkte weiterhin funktionieren und Menschen sich an schwierige Umstände anpassen. Die positiven Aktienrenditen erinnern daran, dass Anleger mit soliden Anlageprinzipien erfolgreich sind. Die Grundsätze für erfolgreiches Investieren gelten auch weiterhin:

  • Diversifikation über Anlageklassen und Regionen, um Risiken zu minimieren und die erwartete Rendite zu maximieren.
  • Disziplin halten und eine langfristige Sicht auf die Marktentwicklung einnehmen, um kurzfristiges reagieren – egal ob aus Furcht oder aus Gier – zu vermeiden.
  • Vermeiden, die Zukunft vorherzusagen, sondern dem eigenen Investmentplan – der auf soliden wissenschaftlichen Erkenntnissen fußt – treu bleiben.

Nikolaus Reeder

 

[i] Basierend auf der nicht saisonal bereinigten zwölfmonatigen prozentualen Veränderung des Verbraucherpreisindex für alle Verbraucher in Städten (CPI-U). Quelle: US Bureau of Labor Statistics.
[ii] Per 30. September 2021; Quelle US-Finanzministerium.
[iii] Quelle: S&P Daten © 2022 S&P Dow Jones Indizes LLC, eine Unternehmenssparte von S&P Global. Alle Rechte vorbehalten.
[i] S&P Daten © 2022 S&P Dow Jones Indizes LLC, eine Unternehmenssparte von S&P Global. Alle Rechte vorbehalten. Indizes stehen für nicht für Direktinvestitionen zur Verfügung.
[ii] Die Daten basieren auf den Unternehmensgewinnen nach Steuern aus der laufenden Produktion und sind Schätzungen des US Bureau of Economic Analysis entnommen.
[iii] MSCI Daten © MSCI 2022, alle Rechte vorbehalten. Indizes stehen für nicht für Direktinvestitionen zur Verfügung.
[iv] Globale Unternehmensanleihen werden dargestellt durch den Bloomberg Global Aggregate Corporate Index. Globale Staatsanleihen werden durch den Bloomberg Global Aggregate Treasuries Index dargestellt. Staatsnahe Anleihen werden durch die entsprechenden Bloomberg-Indizes für staatsnahe Anleihen dargestellt. Daten, die von Bloomberg Indizes zur Verfügung gestellt wurden, stehen für Direktinvestitionen nicht zur Verfügung.
[v] 5-Jahres-Breakeven-Inflationsraten der Federal Reserve Bank of St. Louis; Stand: 31. Dezember 2021.
[vi] US-Treasuries werden durch den Bloomberg US Treasury Bond Index dargestellt. US-TIPS werden durch den Bloomberg US Treasury Inflation-Linked Bond Index dargestellt. Daten, die von Bloomberg Indizes zur Verfügung gestellt wurden, stehen für Direktinvestitionen nicht zur Verfügung.
[vii] Mittelfristige US-Treasuries werden dargestellt durch den Bloomberg US Intermediate Treasury Index, kurzfristige US-Treasuries werden durch den Bloomberg US Short Treasury Index dargestellt. Daten, die von Bloomberg Indizes zur Verfügung gestellt wurden, stehen für Direktinvestitionen nicht zur Verfügung.
[viii] Realrenditen verdeutlichen die Auswirkungen von Inflation auf die Rendite einer Anlage und werden wie folgt berechnet: ((1 + nominale Indexrendite während des Beobachtungszeitraums) / (1 + Inflationsrate)) – 1. S&P Daten © 2022 S&P Dow Jones Indizes LLC, eine Unternehmenssparte von S&P Global. Alle Rechte vorbehalten.

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