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Einer meiner Kunden hatte einige Lebensversicherungen abgeschlossen und wollte wissen, ob er die Verträge fortführen soll.

Aus diesem Grund hatte ich für meinen Kunden die nachstehende tabellarische Übersichten erstellt. Die Tabelle beschreibt die wesentlichen Daten einer seiner Lebensversicherungen. Diese wurde im Jahr 1995 abgeschlossen, hat einen Garantiezins von vier Prozent und einen Todesfallschutz von 100 Prozent.

Aufgrund der vier prozentigen Garantieverzinsung maß mein Kunde diesem Vertrag einen besonders hohen Wert bei. Allerdings muss an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass sich die Garantieverzinsung nur auf den Sparanteil der Sparrate bezieht. Von den 1.114,20 Jahresbeitrag werden im Schnitt nur 893,63 Euro gespart, während die Differenz der Deckung von Kosten dient.

Lohnen sich Kapitallebensversicherungen noch

Bezogen auf die Sparrate und dem aktuellen Vertragswert von 35.286,- Euro ergibt sich somit per 31.08.2019 eine jährliche Rendite von 2,33 Prozent und bezogen auf den Sparanteil von 4,05 Prozent. Damit ist der Vertrag, im Vergleich zu den vom Versicherer zum Zeitpunkt des Vertragsabschluss prognostizierten 7 Prozent Rendite pro Jahr, deutlich schlechter gelaufen. Überschüsse wurden nicht erwirtschaftet und der Vertrag erreicht mit dem Sparanteil gerade die Garantieverzinsung. Im Verhältnis zur Sparrate liegt die bisherige Rendite also ganze 42 Prozent unter dem Garantiezins von 4 Prozent.

Bei der Entscheidung, ob dieser Vertrag nun als “wertvoll” einzustufen ist, muss zwingend die individuelle Situation des Kunden berücksichtigt werden. Beispielsweise sind die folgenden Aspekte zu berücksichtigen:

  • seine biometrischen Risiken; benötigt er zum Beispiel eine Todesfallabsicherung
  • sein Gesundheitszustand und die Überlegung der Absicherung des Langlebigkeitsrisikos
  • seine Vermögensstruktur und der Anlageklassenmix seines Gesamtvermögens
  • seine Liquiditätserfordernisse in den kommenden Jahren
  • sein Anlagehorizont

 

Der Vergleich

An dieser Stelle wollen wir die individuellen Aspekte jedoch außen vor lassen und uns auf die Ertragsseite dieser Anlageform konzentrieren. Dazu hatte ich die folgende Graphik vorbereitet.

Wertzuwachs diverser Marktsegmente

Die Graphik unterstellt eine Anlage von jeweils einem Euro in deutschen Anleihen (REX), in deutschen Aktien (DAX) und in weltweiten Aktien (MSCI) und vergleicht ihre Entwicklung mit der Inflation in Deutschland während der letzten 24 Jahre.

Wenig überraschend ist die Erkenntnis, dass Aktien besser abgeschnitten haben als Anleihen. Die weltweiten Aktien hatten in dieser Zeit eine annualisierte Rendite von 8,14 Prozent, deutsche Aktien hatten eine Rendite von 7,41 Prozent und die deutschen Anleihen hatten eine Rendite von 3,06 Prozent, während die Inflation bei 1,51 Prozent lag.

Interessant ist hier der Vergleich mit unserer Lebensversicherung, die mit einer Renditen von 4,05 Prozent im Vergleich zu den deutschen Anleihen relativ gut abgeschnitten hat, auch wenn die tatsächliche, an der Sparrate gemessene Rendite von 2,33 Prozent, noch etwas niedriger ausfällt. Dieser Renditevorsprung lässt sich über die unreine Anlagestruktur der Lebensversicherung erklären, denn hier wird das Kapital nicht ausschließlich in Anleihen investiert sonder zu einem kleinen Teil beispielsweise auch in Sachwerte wie Immobilien und Aktien, mit denen – wie oben zu sehen ist – eine höhere Rendite erzielt werden konnte.

Ein Vorteil der Lebensversicherung ist, dass die Erträge aus dieser Lebensversicherung nicht mehr zu versteuern, während auf die 3,06 Prozent aus der direkten Anlage in Anleihen noch Steuern erhoben werden. Außerdem entstehen bei einer direkten Investition in Anleihen noch Kosten, die wir hier nicht näher betrachten wollen.

Daraus folgt, dass wenn die Kapitalertragssteuern und die Kosten für die Direktanlage insgesamt kleiner als 0,73 Prozent betragen, also 3,06 Prozent Rendite der Anleihe vor Kosten abzüglich der 2,33 Prozent Rendite auf den Sparanteil der Lebensversicherung, die Direktanlage in den letzten 24 Jahren günstiger gewesen ist, als die Lebensversicherung. Ansonsten ist die Lebensversicherung das bessere Anlageprodukt in den letzten 24 Jahren gewesen.

 

Der Blick nach vorne

Jetzt hilft der Blick in die Vergangenheit nicht, eine Entscheidung für die Zukunft zu treffen. Für die Zukunft ist es viel wichtiger die aktuelle Situation in die Zukunft zu extrapolieren.

Aufgrund der seit Jahren extrem niedrigen Zinsen und der anhaltenden Bereitschaft der EZB, die Zinsen auch in Zukunft niedrig zu halten und so eine Entschuldung der öffentlichen Haushalte zu ermöglichen, ist es schwer vorstellbar, dass die Rendite von Anleihen in den kommenden Jahren wieder über die Inflationsrate steigen wird. Für den Anleger bedeutet dies, dass er sich in der Tat Gedanken machen muss, ob eine Neuverteilung seines Vermögens nicht sinnvoll ist.

Der Vermögensanteil der in Sichtanlagen, Kapitallebensversicherungen und Festgeldern liegt erwirtschaftet nur noch minimale Erträge und die Inflation vernichtet auch noch die Kaufkraft dieser Gelder. Breit diversifizierte Anlagen in Sachwerten, wie zum Beispiel Aktien, haben in den letzten Jahrzehnten dagegen Renditen abgeworfen, die deutlich über der Inflationsrate lagen. Dazu aber mehr im zweiten Teil, denn an dieser Stelle möchte ich noch darauf eingehen, was das aktuelle Niedrigzinsumfeld für die Versicherer und ihre Kunden bedeutet.

 

Unzureichende Deckung in Versicherungen

Genau an dieser Stelle wird es brisant, denn die Fortführungsprognose der deutschen Lebensversicherer sind im fortlaufenden Marktumfeld leider negativ. Für die Verträge kann der vertraglich vereinbarte Garantiezinssatz regelmäßig nicht mehr erfüllt werden, Überschüsse wurden und werden zukünftig nicht mehr zu erwarten sein, Versicherungsbestände ziehen in den Run-Off und Lebensversicherern droht gegebenenfalls die Insolvenz oder eine „Rettung“ durch § 314 VAG. Konkretes Beispiele für einen solchen Run-Off in den letzten Jahren sind die

Mannheimer Leben (2003 Protektor / 2017 an Viridium-Gruppe), Victoria Leben, eine Munich Re-Tochter (2010 interner Run-Off), Delta Lloyd LV/Hamburger Leben (2010 an Athene Holding), Aspecta ( 2010 an HDI-Gerling), Skandia (2013 an Viridium-Gruppe, vormals Heidelberger Leben), Münchener Verein LV (2015 an MyLife), Baseler Leben (2017 an Frankfurter Leben), Arag Leben (2017 Frankfurter Leben), Generali Leben (2018 an Viridium-Gruppe), Familienschutz Leben / Plus Leben (2009 interner Run-Off und Weiterführung durch Stuttgarter), Ergo Leben, eine Munich Re-Tochter und ehemals Hamburg-Mannheimer (seit 2016 kein Neugeschäft mit klassischen Lebensversicherungen und seit 2018 interne Plattform zur Abwicklung des Bestandes).

Prominentes Beispiel für die „Rettung“ einer Versicherers durch § 314 VAG ist die Kölner Pensionskasse VVaG mit ihrer Schwestergesellschaft, der Pensionskasse der Caritas.

Mit anderen Worten: Wenn es hart auf hart kommt sind die 4 Prozent Garantieverzinsung der Lebensversicherer nicht das Papier wert auf dem sie gedruckt stehen. Die Aufsichtsbehörde hat selbstverständlich nach deutschem und europäischem Recht die Möglichkeit, zur Sicherung des Fortbestands der Versicherungsgesellschaften und damit zum Schutz der Versicherten, Leistungskürzungen vorzunehmen. Alleine aus diesem Grund sollten Anleger ihre vor Jahrzehnten getroffene Entscheidung für eine Versicherung erneut überdenken.

 

Kernaussage

Kapitalversicherungen haben aus Ertragsperspektive in doppelter Hinsicht an Attraktivität eingebüßt. Zum einen erwirtschaften Versicherer in der Regel nur noch eine Rendite unterhalb der Inflation, so dass trotz weiterer Einzahlungen die Kaufkraft der Ersparnisse schwindet. Zum anderen führen die Garantieversprechen vieler Versicherer zu einer für die Versicherer finanziell sehr angespannten Situation. Anleger sollten deshalb grundsätzlich überlegen, den Anteil an Anlagen in Anleihen zu Gunsten von Anlagen in Sachwerten zu erhöhen.