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Deutsche Investoren haben seit 1970 vom globalen Vermögenspreisanstieg so gut wie nicht profitiert. Im Gegenteil, es sind 3 Billionen Euro Schaden für die deutschen Geldanleger seit 2008 entstanden. „It’s the deutsche Finanzindustrie! Stupid.“ Was wir von den Norwegern lernen können.

 

Der Teppich in der alt ehrwürdigen Bank kann noch so dick sein, das Ambiente noch so gediegen: Deutsche Anleger kostet die Zusammenarbeit mit deutschen Geldhäusern unter dem Strich ein Vermögen im internationalen Vergleich. Dieses Ergebnis stellen namhafte Wissenschaftler in einer aktuellen Studie in den Raum. https://www.ifw-kiel.de/fileadmin/Dateiverwaltung/IfW-Publications/Christoph_Trebesch/KWP_2133.pdf (73 Seiten, 03.07.2019). Erstmals wurde aus einer international vergleichenden und langfristigen Perspektive eine Auswertung der deutschen Auslandsinvestitionen hinsichtlich Zusammensetzung und Renditen vorgenommen.

 

Schlusslicht unter den G7

Danach lagen seit 1975 bis 2017 (42 Jahre) die durchschnittlichen Auslandserträge in Deutschland pro Jahr rund 5%-Punkte (!) unter denen der Vereinigten Staaten von Amerika. Auch unter den G-7-Ländern ist Deutschland bei der Rendite des Auslandsvermögens das Schlusslicht und im innereuropäischen Vergleich lagen die deutschen Renditen rund 3%-Punkte (!) unter dem Durchschnitt, betonen die Professoren. Die deutschen Renditen sind auch über alle Anlageklassen hinweg signifikant niedriger als die Renditen anderer Länder. Besonders schlecht – mit 4 Prozentpunkten Differenz – schneidet Deutschland als Aktieninvestor ab. Diese Auffälligkeiten gelten auch, wenn Risikoeigenschaften der Anlagen und Wechselkurseffekte herausgerechnet werden, so die Wissenschaftler.

Die Autoren sind keine Fliegengewichte. Moritz Schularick ist Professor für Makroökonomie an der Uni Bonn und Forschungsprofessor an der New York University. Er ist 2018 mit dem renomierten Gossen-Preis ausgezeichnet worden. Christoph Trebsch ist Professor für Globale Makroökonomie an der Uni Kiel und leitet am IfW-Institut den Bereich Internationale Finanzmärkte und Global Governance. Er ist vor kurzem in den Beirat des Bundesministeriums der Finanzen berufen worden. Franziska Hünnekes ist ein aufgehender Stern und aktuell noch wissenschafltiche Mitarbeiterin an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

Hierzulande wird viel über die sogenannte „schwarze Null“ bei der Staatsverschuldung debattiert, ein Nebenkriegsschauplatz! Bislang unterhalb des medialen und politischen Radars liegt das Thema der Kapitalexporte Deutschlands. Bekannt ist, dass wir Leistungsbilanzüberschüsse als Exportweltmeister von Waren und Dienstleistungen erzielen. Aber dass die Deutschen ebenso (Kapital-)Exportweltmeister sind, ist der breiten Öffentlichkeit kaum bewusst. Die Dimensionen sind gewaltig. Im vergangenen Jahr wurden gut 350 Milliarden EUR ins Ausland überwiesen, mehr als der gesamte Bundeshaushalt in 2018. In den vergangenen 10 Jahren steigerte sich das Auslandsvermögen der deutschen Anleger um 2.900 Milliarden EUR, mehr als die gesamte deutsche Staatsverschuldung.

Die Anleger legen diese Mittel beispielsweise für die Altersvorsorge zurück. Liegt die Rendite so weit unter dem internationalen Niveau, ist ein massiver Schaden entstanden. Die Deutschen hätten seit der Finanzkrise 2008 um 3 Billionen EUR reicher sein können, wenn die zitierten Renditeunterschiede hochgerechnet werden. In dem Film „The Big Short“ antwortet ein Investmentbanker mit „Düsseldorf“ auf die Frage, wer denn jetzt noch diese „Schrottpapiere“ kaufe. Der Film nimmt die Hintergründe des Zusammenbruchs des amerikanischen Hypothekenmarktes vorweg.

Das unrühmliche Klischee vom „Stupid German Money“ machte die Runde. Und wie die Studie zeigt, verlor Deutschland in der Krise stärker als andere. Auch nach der Finanzkrise kaufte „Düsseldorf“ kräftig ein, allerdings auf dem Niveau der Kreisklasse. 55 Prozent der deutschen Aktienanlagen befinden sich in Nordeuropa mit gleichlaufenden Konjunkturzyklen und ähnlichen demographischen Entwicklungen. In Entwicklungs- und Schwellenländern wurde nur ein verschwindend kleiner Teil investiert, obwohl sie gut 50 Prozent der Weltwirtschaft ausmachen. Durch Fehlspekulationen wurden in der Vergangenheit offenbar umfangreiche Abschreibungen zu Lasten deutscher Anleger fällig.

Spannend wird es in der Studie, wenn die Ursachen erforscht werden. In vorderster Linie erklären die Wissenschaftler das mangelnde Know-how der deutschen Finanzbranche, international gut zu investieren, als eine denkbare Begründung für das Desaster. Die deutschen Renditen im Inland waren deutlich besser als die der ins Ausland exportierten Mittel. Ferner gebe es wenige Finanzstudiengänge und die Zahl der Studenten, die hierzulande auf internationalem Niveau ausgebildet werden, sei gering. Hinzu kämen möglicherweise Defizite in der Struktur des Bankensektors und hohe Gebühren bei Fonds oder Steuersparmodellen.

 

Der norwegische Pensionsfonds als Beispiel

Als positive Alternative wird der norwegische Pensionsfonds mit seiner weitgehend passiven Anlagestrategie hervorgehoben. Mit dieser Strategie könnten Auslandsinvestitionen rentabler gemacht werden, eine Strategie, dessen Prinzipien wir in unserem Haus weitgehend teilen. Die Norweger erzielten durchschnittlich 6 Prozent im Jahr, und liegen mit weitem Abstand vor den deutschen Anlegern. Die Norweger halten sich bei hohen Kursen zurück, es wird wenig gehandelt, langfristige Engagements stehen im Vordergrund und weltweit ist der Pensionsfonds in über 9.000 Unternehmen in mehr als 70 Ländern investiert. Bestandteil der Philosophie ist – ebenso wie bei REEDER & PREUSS – das Factor Investing, dessen Grundlagen von den Prof. Eugene Fama/Kenneth French stammen und mit ihnen erstmalig im Rahmen von Dimensional Fund Advisors Anfang der 80er Jahre in die Praxis umgesetzt wurden.

Die Studie haben wir mit besonderer Genugtuung und als großartige Bestätigung unseres Weges gelesen. Nachdem wir uns der Thematik der niedrigen Renditen in Deutschland aus der Perspektive der Produktwelt genähert haben, macht die vorliegende Studie dies aus makroökonomischer Sicht. Bis auf den heutigen Tag arbeiten geschätzt 95 % der deutschen Finanzindustrie – von den Privatbanken bis zum Vermögensverwalter – nach den Prinzipien des Picking, Timing und „Best of“. Gute Diversifikation findet meist nicht statt und die Kosten fressen zusammen mit Abschreibungen häufig die Renditen auf. Damit wird in den Depots schon im Ansatz der Keim des späteren Scheiterns gelegt. Entspannung für den Anleger entsteht anders. Schreiben Sie mir über Ihre Anlageerfahrungen: preuss@reeder-preuss.de. Ich freue mich auf Ihre Reaktion.

 

Kernaussage

Für die schlechten Auslandsrenditen der deutschen Anleger gibt es hausgemachte, systematische Gründe. Die bahnbrechenden finanzwissenschaftlichen Erkenntnisse der vergangenen Jahrzehnte sind an der  deutschen Finanzindustrie spurlos vorübergezogen. Der gute Rat aus Norwegen für Anleger heute: Signale hören, mit Bedacht planen und konsequent die Segel neu setzen!

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