In den Medien hört man immer häufiger, dass mit den ETFs der Anleger endlich selbstbestimmt anlegen, und bessere Renditen bekommen kann. Dies ist jedoch nur bedingt der Fall, denn das Problem sind nicht nur die herkömmlichen aktiven Fonds mit ihren hohen Kosten. Der größte Renditevernichter ist ein anderer.

 

Die Revolution

Exchange Traded Funds (ETF), auf deutsch „börsengehandelte Indexfonds“, versprechen die Anlagewelt zu revolutionieren. Und tatsächlich sind ETFs den herkömmlichen aktiv gemanagten Aktienfonds hoch überlegen. Das liegt daran, dass ETFs viel weniger direkte und indirekte Kosten erzeugen, als Ihre aktiv gemanagten Gegenparts. Da das aktive Management nachweislich keinen nennenswerten Mehrwert produziert, dafür aber Kosten, ist der passive Ansatz von Indexfonds, der die Kosten eliminiert und dafür auf aktives Management verzichtet, ein logischer Schritt. Man kann Indexfonds, also auch ETFs, guten Gewissens als Revolution bezeichnen. Doch führt dies nun dazu, dass jeder Anleger plötzlich tolle Renditen erwirtschaftet?

 

Behavior Gap

Leider ist dem nicht so, denn das Problem von Anlegern ist noch ein ganz anderes. Wie die Wissenschaftler Andreas Hacke­thal und Steffen Meyer in einer Studie, in der sie Depots von 40.000 deutschen Privatanlegern für den Zeitraum von 2005 bis 2015 analysierten, wieder bestätigten, liegen die Renditen der Privatanleger weit unterhalb desjenigen, was die einfache Investition in den Markt gebracht hätte. Mit einer Rendite von durchschnittlich 3,1 Prozent im Vergleich zu einer einfach möglichen Rendite von 8,7 Prozent, erreichten Privatanleger nur knapp mehr als ein Drittel der Rendite des Marktes. Ein katastrophales Ergebnis. Diese mickrige Rendite wurde jedoch nicht durch schlechte Produkte bedingt, sondern durch das Fehlverhalten der Anleger. Schlechte Diversifikation, Klumpenrisiken, Home Bias, häufiger Handel und weitere typische Fehlhandlungen waren die Ursache. Den Unterschied zwischen der Rendite der Investmentvehikel und der Investoren nennt man „Behavior Gap“, zu deutsch „Verhaltenslücke“. Das falsche Verhalten der Anleger ist somit der größte Renditevernichter.

 

ETF als Lösung

Aus dem Vorhergegangenen lässt sich nun das Ergebnis der nächsten Studie vorwegnehmen. Auch ETF sind nicht die Lösung. Diese sorgen zwar für bessere Produkte, können aber das Fehlverhalten der Anleger nicht verhindern.

In einer weiteren Studie mit dem Titel „Abusing ETFs“, an der unter anderem wieder die Wissenschaftler Andreas Hacke­thal und Steffen Meyer beteiligt waren und welches im renommierten „Review of Finance“ Journal erschien, wurde untersucht, ob Depots deutscher Privatanleger mit ETFs besser abschnitten, als Depots ohne ETFs. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass Privatanleger auch mit ETFs keine besseren Renditen erwirtschafteten, da die Verhaltensfehler die gleichen blieben, wie bei den Depots, die noch keine ETFs nutzten. Schlechte Diversifikation, häufiges handeln, falsches Timing und schlechte ETF-Auswahl waren die Ursachen.

Wer seinen Anlageerfolg wirklich verbessern möchte, der muss sich also ein profundes Finanzwissen aneignen und emotional getriebene Entscheidungen erkennen und vermeiden. Die Studienergebnisse zeigen, dass dieses den wenigsten gelingt. Ein guter Vermögensberater weiß um die emotionalen Fallstricke und besitzt ein profundes Finanz- und Produktwissen, um die „Behavioral Gap“ zu schließen und ihren Anlageerfolg signifikant zu verbessern. Dafür sollte ein dauerhaftes Beratungsverhältnis und ein regelmäßiger Austausch bestehen.

 

Kernaussage

ETFs können zwar unnötige Produktkosten stark reduzieren, sie helfen jedoch nicht dabei den größten Renditevernichter, das Fehlverhalten des Anlegers, zu eliminieren. Zur signifikanten Verbesserung der Rendite kann ein Anlageberater beitragen, der einer auf Indexfonds basierende Strategie verfolgt und gleichzeitig die „Behavior Gap“ zu vermeiden weiß.

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