Aufs Einkommen kommt es nicht an

17. Jan 2020, Sebastian Pass

Vermögensanlage

Aufs Einkommen kommt es nicht an

17. Jan 2020, Sebastian Pass, Vermögensanlage

Viele Deutsche sind der Meinung, dass man nur als „Topverdiener“ ein Vermögen aufbauen kann. Dabei wird meist außer Acht gelassen, dass der Konsum der viel wichtigere Faktor ist. Warum dem so ist und man auch ein Vermögen aufbauen kann, wenn man kein „Topverdiener“ ist, schauen wir uns im Nachfolgenden genauer an.

Wann ist man vermögend?

Zunächst einmal müssen wir uns fragen, was „Vermögen“ überhaupt bedeutet. Wenn man mehr als 60.500€ auf der hohen Kante hat, gehört man zumindest zu den oberen fünfzig Prozent der Deutschen. Wer mehr als 470.000€ hat, gehört zu den oberen zehn Prozent. Doch Vermögen und Reichtum ist eine sehr subjektive Sache. Der Mensch neigt dazu sich mit seinem direkten Umfeld zu vergleichen. Jemand, der 500.000€ Vermögen vorweisen kann, der wird sich nicht sehr vermögend fühlen, wenn Freunde und Nachbarn eine Millionen auf dem Konto haben. Wer 5.000€ netto verdient fühlt sich besonders reich, wenn er in Osteuropa Urlaub macht, aber nicht, wenn er im Münchener Villenviertel lebt. Auch die Ausgaben orientieren sich meist am Umfeld. So ist das persönliche Gefühl dafür, ob man vermögend ist oder viel verdient immer abhängig von seinem direkten Umfeld.

Konsum und Vermögensaufbau

Auch in der Ansparphase ist das Einkommen nicht alleine entscheidend für die Höhe des Vermögens. Viel entscheidender ist auch hier der Konsum. Wenn Person A zwar 5.200€ netto zur Verfügung hat, aber ihr Lebensstandard 5.000€ verschlingt, dann bleiben dieser nur 200€ monatlich zum Aufbau des Vermögens. Wenn Person B nur 2.000€ ausgibt, aber 2.500€ verdient, hat diese 500€ pro Monat für den Vermögensaufbau übrig. Damit hat sie mehr als das Doppelte von Person A für den Vermögensaufbau zur Verfügung, obwohl sie nicht mal die Hälfte verdient. Erschwerend für Person A kommt hinzu, dass sie am Ende ein viel höheres Vermögen als B braucht, um davon ihren Lebensstandard zu halten. Vereinfacht betrachtet, wenn beide noch 35 Jahre sparen könnten bis zum Rentenbeitritt und nach Steuern 4% Rendite pro Jahr bekommen würden, dann müsste Person A eigentlich ungefähr 1330€ pro Monat sparen um ihr Ziel von 1.200.000€ zu erreichen, Person B hingegen nur knapp 531€ pro Monat um ihr Ziel zu erfüllen.

Auf den Konsum kommt es an

Jedes Jahr durchlaufen Indizes wie die von CRSP, Russell oder S&P einen Prozess der sogenannten Neuausrichtung. Im Zuge dieses Prozesses werden bestimmte Aktien in den Index aufgenommen oder herausgenommen. Ziel dieser Neuausrichtung ist ein regelmäßiges Rebalancing der Indizes, um Preisveränderungen der einzelnen Aktien während des vorangegangenen Zeitraums zu berücksichtigen. Indexanbieter haben für die Aufnahme von Aktien in den jeweiligen Index, beziehungsweise für ihren Ausschluss, unterschiedliche Verfahren, die sich nur geringfügig unterscheiden, aber alle Anbieter nehmen Anpassungen zu festen Terminen vor.

Um zu entscheiden, welche Aktien in den Index aufgenommen oder aus dem Index gestrichen werden, berücksichtigen die Indexanbieter neben der Marktkapitalisierung den Marktpreis einer Aktie, der es ihm ermöglicht, zu bestimmen, bei welcher Aktie es sich um eine Small Cap- oder Large Cap-Aktie oder um eine Value- oder Growth-Aktie handelt.

Nur an diesen für die Neuausrichtung festgelegten Terminen wird der Indexanbieter die Marktpreise berücksichtigen. An allen anderen Tagen, zwischen den Neuausrichtungsterminen, fließen die Preisänderungen von Aktien nicht in den Index ein. Da allerdings ein direkter Zusammenhang zwischen dem Preis einer Aktie und ihrer erwarteten Rendite besteht, werden Unterschiede bei den erwarteten Renditen somit nur zu wenigen Zeitpunkten innerhalb des Jahres in den Indizes berücksichtigt.

Kernaussage

Viel entscheidender als die Höhe des Einkommens ist, wie hoch der eigene Lebensstandard ist, wie viel man im Rentenalter braucht und besonders, wie viel vom Einkommen nach allen Ausgaben am Ende des Monats übrig bleibt. Ein hohes Einkommen sorgt nicht direkt auch für ein höheres Vermögen. Auch wer weniger verdient kann sich gut für die Zukunft absichern, wenn er bewusst konsumiert und seinen Konsum nicht zu stark ansteigen lässt.

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