Viele vermögende Personen beschäftigen sich intensiv mit Vermögensaufbau, Kapitalanlage und Steuern. Deutlich seltener wird jedoch frühzeitig und strukturiert die Frage gestellt, wie das eigene Vermögen im Ruhestand genutzt werden soll – und was danach für die nächste Generation bleiben soll. Dabei hängen genau diese Themen eng zusammen: Ruhestandsplanung, Vermögensnachfolge, Nachfolgeplanung, Erben und Schenken sowie Generationenmanagement lassen sich sinnvoll nur gemeinsam denken. Denn wer nicht weiß, wie viel Vermögen er im Ruhestand tatsächlich selbst benötigt, kann auch kaum fundiert entscheiden, was heute investiert, später entnommen oder zu Lebzeiten übertragen werden kann.
Eine bekannte Faustformel lautet:
100 minus Lebensalter = Aktienquote.
Mit 40 Jahren also 60 Prozent Aktien.
Mit 70 Jahren nur noch 30 Prozent.
Das klingt eingängig, ist aber in der Praxis oft zu simpel.
Denn die entscheidende Frage ist nicht nur, wie alt jemand heute ist. Viel wichtiger ist:
Wie lange soll das Vermögen noch tragen?
Ob Kapital noch 10, 20 oder 35 Jahre reichen soll, macht für die sinnvolle Aktienquote einen erheblichen Unterschied. Genau an diesem Punkt wird die 100-minus-Lebensalter-Regel zu grob.
Sie ignoriert unter anderem:
Gerade bei vermögenden Familien reicht deshalb eine einfache Altersformel nicht aus. Wer Vermögen strategisch strukturieren will, braucht keine Faustregel, sondern einen Plan.
Ein Blick auf Daten hilft häufig weiter. Nach einer aktuellen Morningstar-Analyse zur nachhaltigen Entnahmen über 35 Jahre liegen nicht die höchsten Aktienquoten vorne, sondern eher moderate Aktienquoten von etwa 30 bis 50 Prozent.
Das ist ein wichtiger Punkt.
Denn viele Anleger denken in Extremen:
Entweder im Ruhestand möglichst sicher und defensiv – oder weiterhin sehr aktienlastig, um Rendite zu maximieren. Beides kann problematisch sein. Mehr Aktien sind nicht automatisch besser. Weniger Aktien aber ebenfalls nicht.
Entscheidend ist die Frage, welche Struktur das Vermögen erfüllen soll:
Soll es den Lebensstandard absichern? Möglichst stabil Entnahmen ermöglichen? Kaufkraft erhalten? Oder zusätzlich Vermögen für Kinder und Enkel bewahren? Erst wenn dieses Zielbild klar ist, lässt sich sinnvoll über die passende Vermögensaufteilung sprechen.
Neben der Aktienquote ist die zweite große Frage:
Wie hoch darf die Entnahme sein?
Auch hier kursiert seit Jahren eine einfache Zahl:
4 Prozent pro Jahr könne man entnehmen, ohne dass das Vermögen je auf null fällt.
Diese Aussage ist in dieser Pauschalität nicht belastbar.
Wer langfristig absichern will, sollte vorsichtiger rechnen. Nehmen wir an, ein Ruhestand beginnt mit 65 Jahren und das Vermögen soll bis zum 100. Lebensjahr reichen. Das entspricht einem Planungshorizont von 35 Jahren. Unter dieser Annahme und mit einer 90-prozentigen Wahrscheinlichkeit, dass das Geld bis zum Ende reicht, können laut Morningstar-Studie 3,5 Prozent pro Jahr vor Steuern entnommen werden (Weitere Zeiträume in der Tabelle). Bei einem Vermögen von 1 Million Euro ergibt das eine jährliche Entnahme von 35.000 Euro.
Das zeigt sehr deutlich: Entscheidend ist nicht irgendeine starre Regel, sondern die konkrete Planung über einen realistischen Zeitraum.

Ein weiterer wichtiger Punkt wird häufig übersehen:
Nicht nur die Start-Entnahme zählt, sondern auch das Verhalten während des Ruhestands. Wer Entnahmen dynamisch an die Marktsituation anpasst, erhöht seine Erfolgschancen. Das bedeutet: Die Frage, wie viel und aus welchem Anteil entnommen wird, sollte auch abhängig von der Marktphase gesteuert werden. Auch Rebalancing spielt hier eine Rolle. Genau darin liegt der Unterschied zwischen einer Faustformel und einer echten Strategie. Eine gute Ruhestandsplanung besteht nicht nur aus der Frage, wie viel man im ersten Jahr entnehmen kann. Sie betrachtet auch:
Für vermögende Familien endet die Planung nicht beim eigenen Ruhestand. Spätestens dann stellen sich weitere Fragen:
Genau hier beginnt der Bereich der Vermögensnachfolge. Wer seinen Ruhestandsbedarf nicht sauber plant, läuft Gefahr, an zwei Stellen Fehler zu machen: Entweder es wird zu viel Vermögen für den eigenen Bedarf zurückgehalten – oder zu früh und ohne ausreichende Absicherung übertragen. Beides ist unnötig. Eine saubere Nachfolgeplanung beginnt deshalb nicht erst beim Testament oder bei steuerlichen Freibeträgen. Sie beginnt bereits mit der Frage: Wie viel Vermögen brauche ich selbst – und wie viel ist tatsächlich für die nächste Generation verfügbar?
Gerade bei größeren Vermögen ist es selten sinnvoll, nur isoliert über einzelne Maßnahmen nachzudenken. Erfolgreiches Generationenmanagement bedeutet vielmehr, die Themen zusammenzuführen:
Denn Vermögen soll oft nicht nur erhalten, sondern auch geordnet weitergegeben werden. In vielen Fällen geht es dabei nicht nur um Steuerfragen, sondern ebenso um Kontrolle, Klarheit und Familienfrieden. Wer frühzeitig plant, schafft meist deutlich bessere Voraussetzungen als jemand, der das Thema immer weiter verschiebt.
Viele Menschen gehen das Thema von der falschen Seite an. Sie fragen zuerst nach dem Instrument. Sinnvoller wäre oft die umgekehrte Reihenfolge:
Erst danach stellt sich die Frage, welche rechtlichen, steuerlichen und finanziellen Lösungen dafür geeignet sind.
Genau deshalb ist die Verbindung aus Ruhestandsplanung und Vermögensnachfolge so wichtig. Wer beides trennt, plant oft an der Realität vorbei.
Die Frage „Wie viel Aktien im Ruhestand?“ lässt sich nicht sinnvoll mit der Formel 100 minus Lebensalter beantworten.Wichtiger ist, wie lange das Vermögen tragen soll, welche Entnahmen geplant sind und wie flexibel auf Veränderungen reagiert werden kann. Ebenso wichtig ist die Frage, welcher Teil des Vermögens für den eigenen Ruhestand benötigt wird – und welcher Teil im Rahmen einer durchdachten Vermögensnachfolge für Kinder oder Enkel vorgesehen ist. Wer weiß, wie viel Vermögen zur Sicherung des eigenen Lebensstandards im Alter notwendig ist, kann auch seine Nachfolgeplanung, sein Erben und Schenken sowie sein Generationenmanagement wesentlich fundierter gestalten. Gerade bei größeren Vermögen reicht es nicht, nur Anlage, Entnahme oder Nachfolge isoliert zu betrachten. Erst das Zusammenspiel aus Ruhestandsplanung, Vermögensstruktur und geordneter Vermögensweitergabe schafft eine belastbare Grundlage.
Und genau deshalb ist eine gute Ruhestands- und Nachfolgeplanung so wertvoll:
Sie schafft Klarheit für die eigene Lebensphase – und Ordnung für die nächste Generation.





