Viele Anleger stellen sich diese Frage – oft erst dann, wenn die Rendite hinter den Erwartungen zurückbleibt. Was viele nicht wissen: Die Falle schnappt gleich am Anfang zu. Die Wahrscheinlichkeit des Misserfolgs kann strukturell vorprogrammiert sein. Wir zeigen Ihnen die Ursachen und geben Hinweise, wie Sie Ihr Depot selbst überprüfen können.
Nach herrschender wissenschaftlicher Auffassung sind aktiv gemanagte Fonds oder entsprechende Vermögensverwalterdepots langfristig kein verlässliches Erfolgsmodell, wenn man die Gesamtgruppe betrachtet. Der Grund ist simpel: Am Markt sind Überrenditen immer ein Nullsummenspiel – was der eine gewinnt, verliert ein anderer. Nach Abzug der Kosten bleibt in Summe zwangsläufig eine Unterrendite gegenüber dem Markt. Hinzu kommt: Über Erfolge wird gerne gesprochen, Misserfolge bleiben meist unerwähnt. Dieses Ungleichgewicht in der Wahrnehmung führt dazu, dass viele Anleger die tatsächlichen Erfolgsaussichten überschätzen. Gleichzeitig belasten oft hohe Management- und Transaktionskosten die Rendite erheblich. Trotzdem werden aktive Strategien weiterhin vielfach über Berater vertrieben – häufig verbunden mit dem Versprechen, durch geschickte Managerauswahl oder Marktkenntnis „den Index zu schlagen“. Das Gegenmodell hat einen langfristigen Anlagehorizont, kauft - einfach gesprochen - den Gesamtmarkt, betreibt kein Market-Timing und verursacht im Vergleich nur geringe laufende Kosten. Diese Strategie kann erweitert werden um evidenzbasierte Risikofaktoren, die keine Spekulation bedeuten.
Zu Jahresbeginn erhielt ich die Einladung eines Fondsvermögensverwalters zu einer Produktpräsentation. Die Strategie: Durch gezielte Auswahl „überlegener“ Fondsmanager und richtiges Timing solle der Markt dauerhaft übertroffen werden. Als Erfolgsfaktoren wurden unter anderem besondere Marktkenntnis und das Erkennen unterbewerteter Titel genannt.
Obwohl wir bei REEDER & PREUSS ausschließlich evidenzbasierte Anlagestrategien empfehlen, wollte ich mir nach längerer Zeit wieder ein eigenes Bild machen – und nahm teil.Bemerkenswert war der offene Umgang mit den laufenden Verwaltungskosten von 2,86 % p.a. Diese wurden in „gute“ und „schlechte“ Kosten unterteilt – im vorliegenden Fall handle es sich selbstverständlich um „gute“ Kosten, da sie den Anlageerfolg ermöglichen würden - so der Referent. Zwar wurden Vergleichszahlen präsentiert, die für einen bestimmten Zeitraum eine attraktive Entwicklung zeigten. Allerdings performte der Fonds bei längeren Zeiträumen deutlich schlechter als sein Vergleichsindex, wie meine Analyse im Nachgang zeigte. Außerdem wäre aus Anlegersicht zu ergänzen, dass zusätzlich zu den genannten Verwaltungskosten noch Vertriebs- und Depotkosten anfallen können. Hinzu kommt das Risiko, dass die spekulative Anlagestrategie nicht im Sinne des Anlegers aufgeht.
Wenn spekulative Ansätze, offene und verdeckte Kosten sowie verhaltensbedingte Fehlentscheidungen zusammenkommen, können schnell mehrere Prozentpunkte Renditeunterschied pro Jahr entstehen.

Ein Renditenachteil von beispielsweise 2,5 Prozentpunkten jährlich kann über längere Zeiträume zu erheblichen Vermögenseinbußen führen. Aus 500.000 EUR Anlagekapital werden nach 30 Jahren über den Zinseszinseffekt entweder 2 Mio oder 4 Mio. EUR. Verschaffen Sie sich Klarheit darüber, ob Ihre Gelder mit einer aktiven Strategie verwaltet werden und insofern Handlungsbedarf besteht!
Sie können Ihr Depot mit wenigen Schritten selbst analysieren:
Oft zeigt sich: Ein kostengünstiger, breit diversifizierter Marktansatz hätte das Ergebnis mit geringerem Risiko erreicht oder eine höhere Rendite bei gleichem Risiko erzielt – mit weniger Stress und besserer Transparenz.
Neben der Depotstruktur lohnt sich ein Blick auf die übergeordnete Vermögensorganisation. Je nach individueller Situation können beispielsweise Familienstiftungen, gemeinnützige Stiftungen, Holdingstrukturen, Genossenschaften oder frühzeitige Schenkungen sinnvoll sein. Eine durchdachte Vermögensstruktur berücksichtigt wirtschaftliche, steuerliche und rechtliche Aspekte gleichermaßen – eingebettet in ein langfristiges Gesamtkonzept.
Prüfen Sie Ihr aktuelles Depot auf Kosten, Performance und aktive Anlagestrategie. Langfristig spricht vieles für einen systematischen, evidenzbasierten Anlageansatz mit niedrigen Kosten, klarer Risikostruktur und breiter Diversifikation. Ergänzen Sie Ihr Konzept ggfs. um steuerliche und rechtliche Optimierungen. Denn nachhaltiger Anlageerfolg ist in erster Linie das Ergebnis klarer Struktur – nicht der Spekulation.





