2020 war eines der turbulentesten Jahre der jüngeren Geschichte und historisch in mehrfacher Hinsicht beispiellos. Als immer mehr Länder erste Fälle von Covid-19 meldeten, machte sich Angst breit.

 

Das abgelaufene Jahr war auch bezogen auf die Kapitalmärkte bemerkenswert. Ab Februar breitete sich das Virus weltweit aus, Anfang März wurde der Ausbruch zur Pandemie erklärt. Damit war klar, dass die Krise unser Leben in jeder Hinsicht beeinflussen würde. Als sich die Pandemie ab März verschlimmerte, fiel der S&P 500 Index um rund 33%.

Neben der Gesundheitskrise lösten Polizeigewalt und Rassendiskriminierung im Sommer in weiten Teilen der USA zivile Unruhen aus. Ab August richtete sich der Blick vieler Amerikaner zunehmend auf die US-Präsidentschaftswahlen in diesem ungewöhnlichen Jahr. Politiker, Anhänger und Wahlhelfer rangen mit den Problemen eines zeitweise virtuellen Wahlkampfes und der Tatsache, dass mehr Wahlberechtigte als üblich per Briefwahl bzw. frühzeitig abstimmen würden. Das Ergebnis der Wahl blieb bis weit in den Dezember hinein umstritten. Doch 2020 hat uns auch gezeigt, wie belastbar Menschen, Institutionen und Finanzmärkte sind.

Im April erholten sich die Kurse. Die globalen entwickelten Märkte, gemessen am MSCI World Index2 , erzielten eine Rendite von 6,33%. Europa und das Vereinigte Königreich erzielten negative Renditen, wobei der MSCI Europe Index und der MSCI United Kingdom Index eine Rendite von -3,32% bzw. -17,86% erzielten. Die Schwellenmärkte, gemessen am MSCI Emerging Markets Index, erzielten im Jahresverlauf eine Rendite von 8,54%. Noch immer sind der weitere Verlauf der Pandemie, die Folgen der Lockdowns und Kontaktvermeidung und die Wirksamkeit der neuen Impfstoffe ungewiss. Doch für Anleger waren die Ereignisse des Jahres 2020 äußerst lehrreich, denn sie unterstreichen den Wert von Disziplin und Diversifikation bei der Umsetzung langfristiger Anlageziele.

Das Börsenjahr 2008 war durch die Finanzmarktkrise gekennzeichnet und ließ alle Indizes weltweit dramatisch einbrechen. Ganz gegensätzlich zeigt sich das Pandemiejahr 2020, in dem sich die die meisten Märkte erstaunlicherweise bis zum Jahresende wieder erholen konnten. Durch fallende Zinssätze stiegen international sogar die Kurse der festverzinslichen Papiere.

ANLEIHEN

Die globalen Zinskurven beendeten das Jahr weltweit in den meisten Fällen niedriger. So fielen die Renditen von US-Treasuries (Staatspapieren) entlang der gesamten Zinsstrukturkurve. Bei kurz- und mittelfristigen Anleihen lag die Rendite um mehr als 1%-Punkt unter dem Stand zu Jahresbeginn.

Die Zinsstrukturkurve der US-Treasuries  war am kurzen Ende relativ flach, stieg aber von mittel- zu langfristigen Laufzeiten an. Die Zinssätze für deutsche Staatsanleihen waren am Ende des Jahres über alle Laufzeiten (1 Jahr bis hin zu 30 Jahren) negativ.

 

AKTIEN

Die pandemiebedingten Kursschwankungen im Frühjahr und Sommer 2020 belegen, wie Märkte neue Informationen und Erwartungen einpreisen. Nachdem die Nachrichten einen extremen Verlauf der Pandemie suggerierten, fiel der MSCI World Index in weniger als fünf Wochen von seinem Höchststand am 19. Februar 2020 um 33,76%.

Doch genauso schnell erholten sich die Märkte auch wieder. Anleger achteten auf Nachrichten, die Aufschluss über den Verlauf der Pandemie und der Konjunktur geben würden, etwa tägliche Infektions- und Sterberaten, wirksame Behandlungsmethoden und die Aussicht auf wirksame Impfstoffe. Als sich die Informationen verdichteten, legte der Index von seinem Tiefststand am 23. März in nur drei Handelstagen um 14.28% zu – eine der schnellsten Erholungen in der Geschichte der Aktienmärkte. Manche Indizes schnitten zum Jahresende positiv ab. Der Vorfall bestätigt, wie stark Daten die Erwartungen der Märkte prägen und wie schnell diese neue Informationen einpreisen.

Interessant sind ebenso die Ergebnisse einzelner Länder. In Euro haben Dänemark, das kleine Land mit den großen Marken, und Schweden die höchste Wertentwicklung der entwickelten Märkte verzeichnet, während das Vereinigte Königreich und Singapur die niedrigsten Renditen im Jahresverlauf aufwiesen. Innerhalb der Schwellenmärkte haben Korea und Taiwan die höchste Wertentwicklung verzeichnet, während Ägypten und Brasilien die niedrigsten Renditen im Jahresverlauf aufwiesen.

Der Aktienmarkt Griechenlands war in 2019 als Jahrgangsbester um 58,62% gewachsen, in 2020 verzeichnete der Landesindex ein Minus von 16,32 %. Es war, ist und bleibt wichtig, über viele Anlageklassen möglichst breit gestreut und weltweit investiert zu sein.

In entwickelten Märkten werteten die meisten Währungen gegenüber dem Euro ab. Einige Währungen, allen voran die Schwedische Krone, werteten gegenüber dem Euro auf. In den Schwellenmärkten werteten alle Währungen im Vergleich zum Euro ab.

Die Wechselkurse beeinflussen bei einem weltweit gestreuten Portfolio naturgemäß die Renditen. Aufwertungen des Euro führen dazu, dass beispielsweise Aktienpositionen in US-Dollar im deutschen Depot einen höheren EUR-Wert ausweisen. Für deutsche Exporteure ins EU-Ausland sind die Folgen zweischneidig. Einerseits vergünstigen sich die Preise beim Rohstoffimport, zum anderen erhöhen sich die Verkaufspreise gegenüber weltweiten Wettbewerbern.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN

Wie konnten sich die Aktienmärkte so schnell erholen und auf neue Höchststände klettern, wenn uns gleichzeitig derart düstere Nachrichten aus der Wirtschaft erreichen? Einige Anleger glaubten zu beobachten, dass sich die Märkte und die Wirtschaft sich in 2020 voneinander entkoppelten. Die Marktentwicklung deutet jedoch darauf hin, dass Anleger nicht auf die kurzfristigen Folgen der Pandemie achten, sondern auf eine Erholung nach der Pandemie setzen und eine Rückkehr zu normaleren Bedingungen einpreisen. So gesehen macht die Erholung der Aktienkurse deutlich, dass Märkte immer nach vorne blicken und sowohl aktuelle Nachrichten als auch Erwartungen einpreisen. Das Vermögenswachstum setzt sich auch in 2020 fort.

 

Die Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte, aber auch des Jahres 2020 unterstreichen die Bedeutung der Diversifikation. Einige Marktsegmente kamen durch die Pandemie stärker unter Druck als andere, je nachdem, welche Folgen Covid-19 für eine bestimmte Branche oder eine bestimmte Art von Unternehmen hat.

Weil die Menschen zu Hause blieben, bekamen Fluggesellschaften, Gastronomie und Einzelhandel die Folgen der Pandemie besonders deutlich zu spüren. Kommunikations-, Online-Shopping- und Technologieunternehmen gingen im Vergleich dazu als Gewinner aus der Krise hervor. Allerdings hätte Anfang 2020 wohl kaum jemand diese Entwicklung vorhergesagt. Die wirtschaftlichen Turbulenzen haben einige Firmen in große Schwierigkeiten gebracht, gleichzeitig jedoch wirtschaftliche und soziale Bedingungen geschaffen, von denen andere Unternehmen profitierten.

Gewinner und Verlierer wird es in jedem Markt geben. Anstatt zu versuchen, die Gewinner herauszupicken, sind Anleger mit einem diversifizierten Portfolio aus Beteiligungen an zahlreichen Unternehmen seit jeher gut aufgestellt.

Einzelne Märkte haben sich seit Jahresbeginn sehr unterschiedlich entwickelt. Anleger, die auf diese Performance-Abweichungen reagierten, verpassten die Trendwende im Laufe des Jahres. Zum Beispiel haben sich Small-Cap-Aktien in der zweiten Jahreshälfte insgesamt besser entwickelt als in der ersten, und auch an den Anleihenmärkten waren zwischen dem ersten und zweiten Quartal deutliche Abweichungen zu beobachten. Wer sich aus Angst in Geldmarktfonds zurückgezogen hatte, hat dadurch womöglich viel Geld verloren. Oft liegt die Ursache darin begründet, dass ein solider Investmentplan nie entwickelt wurde. Das letzte Jahr hat gezeigt, dass sich Disziplin in der Vermögensanlage auszahlt – unabhängig davon, was am Markt passiert.

 

Fazit

Zu Beginn des neuen Jahres sind noch immer viele Fragen offen – zur Pandemie, zu den neuen Impfstoffen, zur Konjunktur, zu unserem neuen Arbeits- und Sozialverhalten und zu der Richtung, die die Märkte einschlagen werden. Doch die Turbulenzen des Jahres 2020 haben gezeigt, dass die Märkte weiterhin funktionieren und Menschen sich an schwierige Umstände anpassen können. Die positiven Aktien- und Anleiherenditen erinnern daran, dass Anleger mit soliden Anlageprinzipien erfolgreich sind. Die Grundsätze für erfolgreiches Investieren gelten auch in 2021 weiter:

  • Diversifikation über Anlageklassen und Regionen, um Risiken zu minimieren und die erwartete Rendite zu maximieren.
  • Disziplin halten und eine langfristige Sicht auf die Marktentwicklung einnehmen, um kurzfristiges reagieren – egal ob aus Furcht oder aus Gier – zu vermeiden.
  • Vermeiden, die Zukunft vorherzusagen, sondern dem eigenen Investmentplan – der auf soliden wissenschaftlichen Erkenntnissen fußt – treu bleiben.

Dietrich Preuß

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