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Erfüllung des Stiftungszwecks im Umfeld von niedrigen Zinsen und finanzieller Repression

 

Die Nachrichten und Informationen zu der finanziellen Situation von Stiftungen im derzeitigen Niedrigzinsumfeld sind auf den ersten Blick widersprüchlich. So titelte beispielsweise die FAZ etwa in ihrer Ausgabe vom 30.09.2014 „Stiftungen legen in drei Jahren um 10 Milliarden zu” und der Trend setzt sich fort. Bei genauerer Betrachtung wird aber deutlich, dass sich dieser Zuwachs in erster Linie über Neugründungen und Zustiftungen erklären lässt. 

Gleichzeitig ist aller Orten zu hören, dass Stiftungen aufgrund des Niedrigzinsumfeldes in immer größere Schwierigkeiten kommen, unter Erhalt Ihres Stiftungskapitals und unter Wahrung der Stiftungssatzung ausreichende Erträge zur Erfüllung des Stiftungszwecks zu generieren. Zusätzlich ist das Stiftungsvermögen durch die finanzielle Repression bedroht, denn die laufende Geldentwertung liegt über dem aktuellen Zinsniveau. Spätestens mit der Wiederanlage von fälligen Wertpapieren wird die finanzielle Repression den Handlungsspielraum von Stiftungen sukzessive einschränken. Somit gerät die zum Schutz des Stiftungsvermögens gedachte ursprüngliche Auflage des Stifters, das Kapital in mündelsichere Anlagen zu investieren, zu einer existentiellen Bedrohung. 

Allerdings liegt in jeder Bedrohung auch eine Chance und so zwingt das aktuelle Marktumfeld die Stiftungen dazu, Ihre bisherige Arbeitsweise zu hinterfragen und nach neuen effektiveren Wegen zu suchen. Dabei muss es das Ziel sein, die Widersprüche in der Satzung aufzulösen und sowohl dem Stifterwillen dauerhaft Rechnung zu tragen als auch die Anlagerichtlinien zeitgemäß umzusetzen. In einem günstigeren Marktumfeld ergeben sich dann deutlich bessere Möglichkeiten, dem Stiftungszweck nachzukommen.

Herausforderung

Stiftungen werden gegründet, um einen bestimmten Zweck dauerhaft zu erfüllen. Dazu muss das zur Erfüllung des Stiftungszwecks eingebrachte Kapital nach Inflation, Kosten und Steuern eine positive Rendite abwerfen. 

Entwicklung des StiftungskapitalBei einer jährlichen Rendite von 4% und einer Inflationsrate von 2% stehen für die Verwaltungskosten und die Projektfinanzierung somit 2% des Stiftungskapitals zur Verfügung. Die dauerhafte Erfüllung des Stiftungszwecks ist somit gewährleistet. 

Liegt die Rendite bei sonst gleichen Parametern bei 5% stehen 50% mehr Mittel für die jährliche Projektarbeit zur Verfügung. Umgekehrt entsteht bei einer Rendite von nur 3% die Notwendigkeit weitere Mittel über öffentliche Fördermaßnahmen und Spenden zu akquirieren oder aber Rücklagen – falls vorhanden – aufzulösen. Dabei wird das zukünftige Einwerben von öffentlichen Mitteln aufgrund des wachsenden Drucks zur Haushaltskonsolidierung zunehmend schwierig. 

Ein kleiner Renditeunterschied bei den Kapitalanlagen hat somit einen riesigen Effekt auf die Zukunft der Stiftung. Umso wichtiger ist es, alles dafür mögliche zu tun, um die Finanzierung der Stiftung dauerhaft auf eine solide Basis zu stellen. Dazu sollten Stiftungen folgende Punkte umsetzen: 

  • Entwickeln einer zeitgemäßen Anlagephilosophie, welche im Einklang mit der Stiftungssatzung steht 
  • Erstellen einer Liquiditätsflussplanung 
  • Festlegen einer Anlagestrategie 
  • Definieren geeigneter Anlageinstrumente 
  • Überprüfen der bestehenden Anlageinstrumente hinsichtlich Eignung und Kosten 
  • Entscheiden über die Art und Weise der Umsetzung 
  • Ausschreiben der Tätigkeiten, die außer Haus vergeben werden sollen 

Wenn Stiftungen dies beherzigen, haben sie ein enormes Potenzial die Ergebnisse ihrer Anlagen zu verbessern, zumal zahlreiche Studien belegen, dass der wesentliche Ergebnisbeitrag auf das Vorhandensein und das Befolgen einer Anlagestrategie zurückzuführen ist.

Im zweite Teil werden wir uns anschauen, welche Faktoren für eine erfolgreiche Anlagestrategie gegeben sein müssen und anschließen betrachten, worauf es bei der Umsetzung ankommt.

 

Kernaussage

Das Niedrigzinsumfeld zwingt die Stiftungen zur Professionalisierung Ihrer Anlageverwaltung. Richtig umgesetzt führt dies zu deutlich verbesserten Ergebnissen und zur dauerhaften Sicherung des Stiftungszwecks.